Die Arbeitsgruppe der „Sektion psychiatrisch neurologische Rehabilitation“ legt dem Vorstand der „Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie der DDR“ Thesen zur Begriffsbestimmung psychiatrischer Rehabilitation in der DDR vor: „Die Besonderheiten der Rehabilitation in der Psychiatrie liegen begründet: a) in der Eigenart der Erkrankungen, mit denen es die Psychiatrie zu tun hat, insofern diese mit Veränderungen der Persönlichkeit des Patienten einhergehen oder solche hinterlassen können: b) im Mangel zureichender Kriterien, die eine prognostische Einschätzung in jedem einzelnen Krankheitsfall gestatten, woraus sich die Notwendigkeit ergibt, zunächst bei allen psychisch Erkrankten rehabilitative Maßnahmen vorzusehen und einzuleiten; c) in dem sehr breiten Spektrum rehabilitativer Maßnahmen, welches sowohl psychischen, als auch somatischen Leistungseinbußen beim Patienten Rechnung zu tragen hat; d) in der Aufgabe, den Patienten sozial wieder zu adaptieren und seine verbliebenen Leistungsmöglichkeiten praktisch zu prüfen, bevor Entlassung aus fachärztlicher Behandlung und Übernahme in die institutionelle Rehabilitation erfolgt; e) in der Berechtigung, es schon als einen Rehabilitationserfolg zu werten, wenn die gesellschaftliche und berufliche Reintegration des Patienten nicht ganz erreicht wurde oder nur unter besonderen Bedingungen (geschützter Arbeitsplatz, Beschäftigung innerhalb des Fachkrankenhauses) zustande kommt; f) in der Gewichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit, weil erfahrungsgemäß die Rehabilitation psychiatrischer Patienten oft auf Widerstände und Vorurteile seitens einer gesellschaftlichen Umgebung stößt, die sich ihrer Verantwortlichkeit gegenüber diesen Mitbürgern nicht recht bewußt ist; g) in der Notwendigkeit, die Rehabilitationswilligkeit des Patienten nicht als Voraussetzung für die Rehabilitation zu fordern, sondern sie als eines der Ziele der Therapie und Rehabilitation zu betrachten; h) in dem Bedürfnis einer organisierten extramuralen Betreuung durch fachlich geschultes Personal (psychiatrisches Kreisdispensaire, psychiatrische Fürsorgerin usw.); i) in dem verhältnismäßig hohen Aufwand an Personal, Zeit und Kosten.