Klinik für Psychotherapie am Städtischen Klinikum Berlin-Buch

Therapeutische Strömungen und Behandlungssetting

Die Klinik für Psychotherapie am Städtischen Klinikum Berlin-Buch wird 1974 eröffnet. Mit einer Kapazität von 32 Betten und etwa 880 ambulanten Behandlungen ist der Klinik einem eigenständigen Chefarztbereich am Städtischen Klinikum Berlin-Buch zugewiesen. Es gibt zwei Abteilungen: In der Abteilung für Gruppentherapie werden strukturell weniger eingeschränkte Patienten in drei geschlossenen Gruppen zu jeweils 12 Patienten und zwei Therapeuten mit der Intendierten dynamischen Gruppentherapie (IDG) behandelt. Nach dem Konzept der therapeutischen Gemeinschaft finden sich die Patienten in dieser Abteilung täglich in ihrer therapeutischen Kleingruppe und in einer Großgruppe zusammen, praktizieren jeweils zwei Mal pro Woche Kommunikative Bewegungstherapie und Musiktherapie sowie jeweils einmal wöchentlich Kunsttherapie, Psychodrama und Ergotherapie. Die Abteilung für Einzeltherapie behandelt dahingegen strukturell schwerer eingeschränkte Patienten, die meist schon älter sind und teilweise an schweren körperlichen Krankheiten oder psychosomatischen Symptomen leiden. Die Patienten dieser Abteilung führen wöchentlich mindestens zwei Einzelgespräche mit ihrem jeweils zugewiesenen Bezugstherapeuten. Daneben finden auch in der Einzeltherapie-Abteilung tägliche Gruppengespräche in einer offenen Gruppe aus maximal 18 Patienten und zwei Therapeuten statt.

Das Behandlungsteam der psychotherapeutischen Klinik besteht aus drei Ärzten für psychotherapeutische Medizin, fünf Psychologen, zwei Bewegungstherapeuten, jeweils einem Ergo- und einem Musiktherapeut, drei Pflegekräften und studentischen Psychologiepraktikanten. Alle behandelnden Therapeuten arbeiten psychodynamisch und haben Selbsterfahrung in der Intendiert dynamischen Gruppentherapie (IDG) absolviert. Darüber hinaus gibt es mehrere klinische Psychologen, die bei Bedarf in den anderen klinischen Abteilungen des Klinikums Gesprächspsychotherapie durchführen. Dazu gehört auch das am Städtischen Klinikum Berlin-Buch angegliederte Zentralinstitut für Herz-Kreislauf-Regulationsforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR. Durch die enge Vernetzung mit anderen Fachbereichen des Klinikums bildet sich ab Mitte der 1980er Jahre eine Balint-Gruppe, in der psychodynamische Zusammenhänge im Kontext der Beziehung zwischen Arzt und Patient diskutiert werden. 

Entwicklung des Standorts

Das Städtische Klinikum Berlin-Buch bildet sich 1963 durch die Zusammenfassung von fünf Fachkliniken, die Anfang der 1900er Jahre in Berlin-Buch errichtet werden. Genauer sind dies das Städtische Krankenhaus (erbaut als „IV. Irrenanstalt“ Berlins), das Hufeland-Krankenhaus (erbaut als III. „Irrenanstalt“ Berlins), das Ludwig-Hoffmann-Krankenhaus (erbaut als Altenpflegeheim), das Waldhaus und das Dr.-Heim-Krankenhaus (beide erbaut als Tuberkulose-Heilstätten). Mit insgesamt etwa 3.000 Betten gilt das Städtische Klinikum Berlin-Buch damit als größter Medizinstandort der DDR.

In der Zeit des deutschen Nationalsozialismus werden in den Kliniken Berlin-Buchs ab 1934 mehrere hundert Patienten zwangssterilisiert. Die Sturmabteilung (SA) wendet zudem in einem Haus des ehemaligen Hufeland-Krankenhauses Foltermethoden an und nutzt dieses als Kaserne. Ab 1939 sind die Kliniken Berlin-Buchs auch an der „Aktion T4“ beteiligt, die im Rahmen der sog. „Euthanasie“ u. a. die Vernichtung von geistig oder körperlich erkrankten oder behinderten Menschen zum Ziel hat. Eines der Vorbereitungstreffen der „Aktion T4“ wird in der Heil- und Pflegeanstalt Buch durchgeführt. Bis zum Ende des dritten Reiches werden etwa 3.000 Patienten der Kliniken Berlin-Buchs ermordet.

Ab 1959 werden den drei psychiatrischen „Haupteinrichtungen“ in Ostberlin (Wuhlgarten, Lichtenberg, Buch) Spezialaufgaben zugewiesen. Im Hufeland-Krankenhaus in Berlin-Buch entwickelt sich in diesem Zuge eine forensisch-psychiatrische Station, die die Versorgung der gerichtlich unterzubringenden psychisch Kranken (heute: Maßregelvollzug) zum Ziel hat. Die Verhältnisse dort werden wiederholt beanstandet und untersucht. Ab den 1970er Jahren entwickelt sich am Städtischen Klinikum Berlin-Buch zudem ein Rehabilitationskollektiv, in dem etwa 300 psychisch erkrankte und geistig behinderte Menschen in geschützten Werkstätten betreut und rehabilitiert werden.

Im Jahr 1976 wird am städtischen Klinikum Berlin-Buch ein spezielles „Regierungskrankenhaus“ eröffnet, das mit modernsten diagnostischen und therapeutischen Standards ausschließlich Regierungsmitgliedern der DDR zur Verfügung steht. Es folgt im gleichen Jahr die Eröffnung des besonders gesicherten und von der Öffentlichkeit isolierten „Krankenhaus des MfS“ (auch „Stasi-Krankenhaus“ genannt), in dem ausschließlich Mitglieder des Staatsrats behandelt werden.

Nach dem Mauerfall wird das Regierungskrankenhaus für die Öffentlichkeit geöffnet und erhöht die Bettenanzahl des Städtischen Klinikums Berlin-Buch kurzzeitig auf etwa 4.000. Zudem löst sich die Klinik für Psychotherapie in der psychiatrischen Klinik auf. Heute existiert an diesem Standort noch eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 2001 wird das Klinikum in die private Trägerschaft der Helios Kliniken GmbH übergeben und fusioniert 2009 mit zwei Spezialkliniken für Tumorerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (damals Robert-Rössle- und Franz-Volhard-Klinik). Das heutige Helios Klinikum Berlin-Buch spielt mit etwa 1.000 Betten und einer Vielzahl an spezialisierten Fachrichtungen noch immer eine wesentliche Rolle in der medizinischen und psychiatrischen Versorgung.

Gründungsdaten

Gegründet: 08.10.1974
Stadt: Berlin-Buch
Bezirk: Pankow
Aktuelle Bezeichnung: Helios Klinikum Berlin-Buch

Leitungen

  • Dr. med. Hans Eichhorn
  • U. Kießling (ehemaliger Mitarbeiter Höcks; Brüll, 2011)

Methode, Verfahren
und Therapeutisches Konzept

  • Intendierte dynamische Gruppentherapie (IdG)
  • Kommunikative Bewegungstherapie
  • Musiktherapie
  • Kunst- bzw. Gestaltungstherapie
  • Psychodrama
  • Ergotherapie
  • Ambulantes AT und IdG
  • Vereinzelt Hypnose und Verhaltenstherapie

Quellen und Literatur